Christoph Kolumbus I


Alljährlich feiert die Neue Welt am 12. Oktober den Columbus Day, den Tag der Entdeckung Amerikas, mit einer Selbstverständlichkeit, die kaum vermuten läßt, daß die näheren Einzelheiten der ersten Reise des Christoph Kolumbus weitgehend ungeklärt sind.

Inhaltsverzeichnis

Pinta, Santa María und Niña

Der Handel mit dem Fernen Osten

Handelswaren aus dem fernen Osten kannten schon die alten Griechen, denn Alexander der Große hatte bei seinen Eroberungszügen bereits den Indus überschritten. Auch die Römer und später die Araber pflegten Handelsbeziehungen nach Indien.

Marco Polo

Seit der Venezianer Marco Polo 1272 in mehr als 20 Jahren über die heutige Türkei, den arabischen Golf und Persien nach China reiste, dort viele Jahre am Hofe Kublai Khans als Berater tätig war und schließlich über Indochina, Malaysia und Indien zurückkehrte, kursierten mit seinem Reisebericht phantastische Erzählungen über den märchenhaften Reichtum dieser fernen Länder. In seinem Reisebericht, den er 1299 in einem genuesischen Gefängnis einem Mitgefangenen diktiert haben soll, beschreibt Marco Polo die Insel Cipango, also Japan, die er selbst jedoch nie erreicht hatte, nur noch in Superlativen:
"Cipango ist eine Insel im Osten, 1.500 Meilen vom Festland entfernt. Sie ist von enormer Größe (...) Sie haben Gold in enormem Überfluß und so wunderbar dieses ist, wissen sie nicht, was sie damit machen sollen (...) Wahrhaftig, ich sage euch, daß es einen riesigen Palast gibt, ganz mit Feingoldplatten bedeckt (...) Die Befliesung der Zimmer, die es in stattlicher Zahl gibt, ist ebenfalls aus Feingold, mehr als zwei Finger dick. Alles im Palast, die Säle und die Fenster sind mit Gold verziert. Ich sage Euch, das ist ein so unermeßlicher Reichtum, daß es ein großes Wunder wäre, wenn jemand seinen Wert beziffern könnte."

Nach diesem Reisebericht, zu dem Marco Polo später sagte, er habe nicht die Hälfte dessen geschrieben, was er gesehen habe, schien der ferne Osten vor Reichtum überzulaufen und es ist daher verständlich, daß dieser Bericht auch noch 200 Jahre später so manchen Abenteurer zu faszinieren vermochte.

Zu Kolumbus Zeiten gewann das Gold immer mehr an Bedeutung. Jeder europäische Staat wollte es den Florentinern gleichtun und Goldmünzen prägen, und man brauchte Gold für die Ausstattung der Kirchen und als Schmuckgold. Auch in der damals aufgekommenen Erbauungsliteratur, Ritterromane und mittelalterliche Heldensagen, über die sich Cervantes mit seinem Don Quijote lustig machte, spielten Goldschätze eine zentrale Rolle.

Mit der Ausbreitung des Osmanischen Reiches seit dem 14. Jahrhundert, und schließlich der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 war nun allerdings der Weg nach Indien über Kleinasien verlegt, der Handel im Mittelmeer mit den verfeindeten Türken stark eingeschränkt, und zudem wegen der weit verbreiteten Piraterie nicht ungefährlich. Die Aufnahme direkter Handelsbeziehungen mit den Ländern im fernen Osten unter Umgehung der Türken erschien also überaus vielversprechend.

Der Seeweg nach Indien

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Zumal Marco Polo von Indien durch den arabischen Golf zurückreiste, war bekannt, daß der ferne Osten auf dem Seewege erreichbar war, nur gab es vom Mittelmeer aus keinen Seezugang. Naheliegend war daher, entlang der afrikanischen Westküste nach Süden zu segeln, was die Portugiesen beharrlich verfolgten, bis schließlich Vasco da Gama 1498 um das Kap der guten Hoffnung herum Indien erreichte. Entschieden zu kühn, aus heutiger Sicht aber überaus elegant erschien hingegen die Idee, einfach nach Westen zu segeln.

In der damaligen Vorstellung bestand die Welt aus den Kontinenten Europa, Asien und Afrika, die vom großen Ozean umgeben waren, wie sie wohl am Schönsten die Mapamundi des venezianischen Paters Mauro von 1459 darstellt. Niemand wusste, was westlich der kanarischen Inseln und der Azoren zu finden war, aber es rankten sich allerlei Legenden um sagenhafte Inseln, die es dort geben sollte, insbesondere natürlich Atlantis. Martin Behaim, ein Kaufmann und Kosmograph aus Nürnberg, der an den portugiesischen Entdeckungsfahrten entlang der afrikanischen Küste teilnahm, fertigte eben 1492 den ersten Globus und scheute sich nicht, dort die sagenhafte Insel "Antilia" einzuzeichnen, übrigens ungefähr an der Stelle, an der sich die Antillen befinden.

Eine Kopie der Mapamundi, die Andrea Blanco hergestellt hatte, ist im Kloster von Murano gefunden worden und befindet sich in Venedig. Der Globus des Martin Behaim ist im Original in Nürnberg erhalten. Diese beiden Werke beruhen zwar in den Details wohl schon auf unterschiedlichen Quellen, aber bezüglich der hier interessierenden asiatischen Ostküste sicherlich allein auf dem Reisebericht des Marco Polo. Zum Behaim-Globus ist dieser sogar ausdrücklich als Quelle dokumentiert.

Die Mapamundi von 1459 des venezianischen Paters Mauro

Die Mapamundi, die übrigens arabischer Gepflogenheit entsprechend Süden obenliegend zeigt, legt durchaus nahe, von der iberischen Westküste aus, am rechten Rand gelegen, geradewegs nach Westen zu segeln; denn genau gegenüber wird in dieser Weltkarte erstmals die Insel Cipango lokalisiert, die Marco Polo so märchenhaft beschrieben hat. Von diesen Verlockungen abgesehen schien es das der iberischen Westküste am nächsten gelegene Land zu sein.

Kolumbus war daher keineswegs der Einzige, der auf diese Reiseroute gekommen ist: Der Florentiner Arzt Paolo Pozzo di Toscanelli trug dieses Projekt bereits mit einem Schreiben vom 25. Juni 1474 erfolglos an das portugiesische Königshaus heran, ebenso schlug der Nürnberger Arzt und Kosmograph Hieronymus Münzer dem portugiesischen König in einem Brief vom 14. Juli 1493 eine Forschungsreise Richtung Westen nach Cathay, also nach China vor, und konnte die Unterstützung dieses Vorhabens durch Kaiser Maximilian I, und die Beteiligung Martin Behaims zusichern. Anscheinend hat man in Nürnberg im Juli 1493 immer noch nicht gewußt, daß Kolumbus bereits im März von seiner ersten Reise erfolgreich zurückgekehrt war.

Wie weit war es aber nun von der iberischen Westküste bis Cipango und Cathay, wie groß war der "große Ozean" ? Im Grunde war dies die Frage nach der Größe des Erdumfanges.

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