Reisen in Kolumbien


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Guía de Bogotá

Eine dringende Warnung

Zunächst einmal einleitend soviel: Die deutsche Botschaft in Bogotá riet noch vor wenigen Jahren dringend von der Einreise nach Kolumbien ab, weil im ganzen Land Bombenanschläge und Entführungen zu befürchten sind. Das ist leider keineswegs übertriebene Vorsicht. Die hier rechts ab­ge­bildete Empfehlung stammt aus dem vom Ober­bürgermeisteramt Bogotá herausgegebenen englisch-spanischen Reiseführer aus dem Jahr 2003. Wer also vorhat, auf eigene Faust durch Kolumbien zu stolpern, womöglich gar noch zu Alexander von Humboldts berühmten Brücken von Icononzo oder dem Pueblo perdido in der Sierra Nevada de Santa Marta, sollte seinen Rückflug lieber noch offen lassen. Bei meinen Reisen, über die ich hier berichte, war ich ständig in Begleitung ortskundiger Kolumbianer und bin selbstverständlich niemals in Risikogebieten gewesen.

Allerdings darf auch nicht verschwiegen werden, daß sich die Situation seit meiner ersten Reise im Jahr 2003 wesentlich beruhigt hat. Das kolumbianische Militär hat viele Gebiete oder wenigstens die Hauptverkehrsstrecken absichern können und setzt die Guerrilla seit 2008 unter starken militärischen Druck. Das Auswärtige Amt rät zu größter Vorsicht im ganzen Land, warnt aber nur noch vor Reisen in die Grenzgebiete zu Panamá, Venezuela, Perú und Ecuador.

Man kann also derzeit zwar einige der schönsten Gebiete nicht bereisen, aber ganz Kolumbien ist ein wunderschönes Land und die Kolumbianer sind ausgesprochen freundlich. Insbesondere das kolumbianische Militär ist, wie ich selbst immer wieder festgestellt habe, auch gegenüber Ausländern überaus höflich, hilfsbereit und zuvorkommend. Man muß sich eben nur daran gewöhnen, daß jeder aus guten Gründen das Gewehr stets schußbereit in den Händen hat.

Viel unangenehmer ist seit 2008 die Ausreise nach Europa. Die Kolumbianer können die Verhältnisse im Land nur durch die massive Bekämpfung der Drogenproduktion und des Drogenhandels beruhigen und haben daher ihre Kontrollen in letzter Zeit noch wesentlich verschärft. Neben den üblichen Gepäckdurchsuchungen muß man nun auch damit rechnen, zum Abdominalscann gebeten zu werden. Als ich bei dieser Gelegenheit fragte, was mich denn so verdächtig gemacht habe, erklärten alle anwesenden Poizisten wie aus einem Munde, daß es keinerlei besonderen Verdacht gegeben habe, sondern eben einfach zufällig ausgewählt wurde. Man sollte also sein Gepäck vor der Ausreise unbedingt selbst noch einmal ganz genau untersuchen. In Kolumbien wird nicht nur geklaut, man kann auch plötzlich mehr dabei haben, als einem lieb ist.

Bogotá vom Mirador aus

Bogotá

Die Hauptstadt heißt eigentlich Santafe de Bogotá und wurde 1538 gegründet, in der beacht­lichen Höhe von 2.600 m über Meereshöhe übrigens, wie es sich für eine an­stän­dige latein­ameri­kanische Haupt­stadt gehört. Einer der Gründer­väter war übrigens ein Deutscher namens Nikolaus Federmann aus Ulm. Eigentlich sollte er sich für die Fugger nur in Venezuela umsehen, aber er konnte der Versuchung nicht widerstehen, bei dieser Gelegenheit auch gleich noch ein bißchen auf eigene Rechnung zu erobern. Daß der habs­bur­gische Kaiser Karl V. damals gleich­zeitig König von Spanien war, kam seinem Vorhaben nur entgegen.

Jardinero

Bogotá liegt zwar nur gute 1.000 km nördlich des Äquators, aber trotzdem ist es das ganze Jahr über recht kühl und vor allem sehr regnerisch. Das Klima erinnert stark an einen regnerischen Mai oder September in Deutschland. Mit Recht spricht man also vom Kühlschrank Kolumbiens und in Santa Marta erklärte mir ein unter der tropischen Hitze stöhnender einheimischer Bauingenieur, wie ideal doch Bogotá zum Arbeiten wäre. Auch Hobbygärtner finden wahrscheinlich nirgendwo bessere Bedingungen; denn einmal gepflanzt und sich selbst überlassen gedeiht dort einfach alles, man hat das ganze Jahr über einen saftig grünen Garten in üppiger Blüte.

Patio im Einkaufscenter

Wie viele amerikanische Städte ist Bogotá in Quadraten angelegt und braucht sich vor einer europäischen Großstadt gewiß nicht zu schämen. Das Einkaufszentrum Centro Comercial Andino in der Stadtmitte sollten sich die Berliner einmal als Vorlage nehmen, nicht nur wegen der ansprechenden Archi­tektur, sondern vor allem für das Management in allen Details. In der angeblichen Welthaupt­stadt des Drogen­handels sind solche Gebäude eben einfach in jeder Hinsicht ordentlich, auch ohne das grobe "Mach' die Kippe aus, hier wird nicht geraucht!" des Sicherheits­dienstlers.

Plaza in der Calendaria

Das Universitätsviertel um die Universidad de los Andes liegt in der Altstadt, um die Plazoleta del Chorro de Quevedo die als einer der Gründungsorte der Stadt gehandelt wird, in der Candelaria. Es ist das historische Zentrum mit den ältesten Gebäuden der Stadt und einem fas­zi­nieren­den Ambiente, das durch viele kleine Läden, Restaurants und Cafes geprägt wird, u.a. auch das im Stil der Jahr­hundert­wende ge­haltene Café der Kaffee­pflanzer Kolumbiens. Die Cafeteros gelten seit jeher als Förderer der Wissenschaft und Kunst, daher wird dem Gast zum Kaffee nicht nur die Tages­presse, sondern auch reichlich Literatur zum Zeit­vertreib und zum Kauf an­ge­boten.

Gasse in der Calendaria

In der Candelaria gibt es aber auch mehrere sehenswerte Museen, wie das Museo de Arte Colonial, also das Museum der Künste aus der Kolonialzeit, in dessen Hof sich der erste Springbrunnen Bogotás aus dem 16. Jahrhundert befindet, das Museo de Trajes Regionales de Colombia, also das Museum der regionalen Trachten Kolumbiens, oder das Museo Militar.

Kathedrale von Bogotá

Von der Candelaria aus gelangt man in wenigen Gehminuten zur Plaza de Bolívar mit der Catedral Primada de Colombia, die wie alle Kathedralen in den latein­ameri­kanischen Haupt­städten überaus prächtig ausfällt. Hier muß man natürlich unbedingt einmal gewesen sein, zumal der Präsidentenpalast ganz in der Nähe ist.

El Dorado

El Dorado und Goldmuseum

In den auf die erste Reise des Kolumbus im Jahre 1492 folgenden Jahrzehnten drängte vor allem der verarmte spanische Landadel in die neue Welt, der den Ritterromanen, auf die schließlich Miguel Cervantes seine Satire vom Don Quijote de la Mancha schrieb, überaus zugetan war. In diesen Romanen ging es um Königreiche mit märchenhaften Reich­tümern, Städte, deren Häuser mit Gold gedeckt und deren Straßen mit Gold gepflastert waren, die dann von einigen wenigen mutigen Rittern erobert wurden. Was lag also näher, als diese sagenhaften Königreiche in der neuen Welt aufzuspüren. Zu finden war allerdings jahrzehntelang nichts: Aus West-Indien war sowieso nichts zu holen, und die Azteken und Mayas waren Steinmetze und verarbeiteten Federn. Da hörte der Neffe des Hernán Cortés, des Eroberers von México, in Panamá die Geschichte von einem sagenhaften Königreich im Süden, das vor Gold überquellen wollte.

Guatavita

Wovon Francisco Pizarro, der spätere Eroberer des Inkareiches, damals gehört haben mag, ist unsicher, jedenfalls aber kam während seines Eroberungs­zuges im Jahre 1532 die Legende von einem einge­borenen Herr­scher auf, der sich bei religiösen Zeremo­nien von Kopf bis Fuß mit Gold­staub be­decken ließ. El dorado, der Vergol­dete, wurde jahr­hunderte­lang im nörd­lichen Süd­amerika vom Orinoco- und Amazonastiefland bis zu den höchsten Andenregionen gesucht, aber nie gefunden.

Goldenes Floß von Guatavita

Gleichwohl rankt sich diese Sage vom Eldorado bis in die allerjüngste Zeit um einen eigenartigen Kratersee etwa 60 km nordöstlich von Bogotá. Auch Alexander von Humboldt, der den See 1801 besuchte, berichtet von dieser Sage, wonach Eldorado sich auf einem Floß in die Mitte des Sees rudern ließ, dort goldene Opfer­gegen­stände versenkte und sich schließ­lich den Gold­staub beim Bad im See abwusch. Etwas Wahres muß an dieser Sage aber schon gewesen sein, denn 1969 fanden Bauern bei der Suche nach ihrem entlaufenen Hund in einer Höhle bei der Ortschaft Pasca ein ganz aus Gold gefertigtes Floß, das die Sage zu bestätigen scheint.

Weitere Fotos vom Kratersee von Guatavita

Museo de oro

Neben einer Unzahl goldener Schmuckstücke und sakraler Gegenstände aus prä­kolum­bianischer Zeit kann man dieses etwa 20 cm lange Floß im Museo del oro der Banco de la república in der Altstadt von Bogotá sehen. Der Direktor der Bank begann mit der Sammlung dieser Gegenstände Ende der Dreißigerjahre. Um den damals noch üblichen Aufkauf von Funden, die oft einfach eingeschmolzen wurden, einzudämmen, ließ er in ganz Kolumbien prä­kolumbianische Gold­funde selbst auf­kaufen, um diese un­schätz­baren Werte vor dem Untergang zu bewahren. Ende der Sech­ziger­jahre waren so viele Kunst­gegen­stände an­ge­sammelt worden, daß deren per­ma­nen­te Ausstellung in einem Museum be­schlos­sen wurde. Sehenswert ist auch das original­getreue Modell der Ciudad perdida. Dort und nur dort sollte man sich diese archäo­logische Stätte ansehen. Beim Versuch, die Original­stätte in der Sierra nevada de Santa Marta zu besuchen, ist im Sommer 2003 u.a. auch eine Deutsche aus Bremen entführt und erst nach Monaten wieder freigelassen worden.

Talstation Monserrate

Monserrate

Weithin über die Savanne von Bogotá sichtbar steht auf dem höchsten Hügel oberhalb der Altstadt der Wallfahrtsort Monserrate. Den Hügel muß man nicht ersteigen, das würde sich mit Blick auf die ansehnliche Höhe von 3.100 m über Meereshöhe und 500 m Höhenunterschied von der Stadt aus auch gar nicht empfehlen. Vielmehr fährt man mit der Bergbahn hinauf, deren Talstation sich am östlichen Altstadtrand befindet. Die Bahn haben die Schweizer ge­baut, man kann also be­ruhigt ein­steigen. Monserrate war ehemals eine Einsiedelei, später auch ein Kartäuser-Kloster. Die Gebäude wurden bei einem Erdbeben 1917 zerstört und an deren Stelle eine Kirche errichtet.

Monserrate

Auch ein sehr hübsches Restaurant in Stil der Zwanzigerjahre befindet sich dort oben und wenn es nicht das ganze Jahr hindurch so kalt und reg­nerisch wäre, so könnte man Monserrate durchaus als einladend bezeichnen. So ist es leider ein Ort, an dem man sich in winterlicher Kleidung gut 5° nördlich des Äquators einigermaßen merk­wür­dig vorkommt.

Dampflokomotive in der Savanne bei Bogotá

Zipaquirá

Als sich Humboldts Reisegefährte Bonpland vom Fieber, das er sich bei der Anreise auf dem Río Magdalena geholt hatte, ein wenig erholt hatte, wanderten sie durch die Savanne zum Salzbergwerk der nördlich von Bogotá gelegenen Ortschaft Zipaquirá. Heute ist das damalige Bergwerk nach einem Erdbeben verschüttet, jedoch hat man einen weiteren Stollen zur Catedral de Sal ausgebaut, einer riesigen unterirdischen Kirche, einschließlich aller Kruzifixe, Heiligenbilder, Skulpturen und Altäre ganz aus Salz.

Eine der wenigen jemals in Kolumbien gebauten Eisenbahnlinien führt von Bogotá nach Zipaquirá, und die Reise dorthin wird heute als Touristenattraktion mit restaurierten Dampflokomotiven angeboten. In der historischen Bahnhofshalle hängen Kontruktionspläne von Borsig-Lokomotiven aus dem I. Weltkrieg aus.

Salto del Tequendama

Salto del Tequendama

Die Hochebene von Bogotá ist der Grund eines eiszeitlichen Sees, der südwestlich der Stadt aufbrach, möglichweise durch ein Erdbeben. Der Río Bogotá stürzt in dieser Gegend über den Wasserfall von Tequendama hinab, den Alexander von Humboldt, der sich von März bis Juli 1801 in Bogotá aufhielt, eingehend beschrieben hat.

Seine nach 200 Jahren endlich auch in deutscher Sprache veröffentlichte Beschreibung in den Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas, Tafel VI, kann als heute noch gültig angesehen werden, wenngleich man eine unangenehme Tatsache aus neuerer Zeit hinzufügen muß. Der Río Bogotá legt von seinem Ursprung nordöstlich der Hauptstadt bis zum Wasserfall nur etwa 150 km zurück, wird aber auf dieser kurzen Wegstrecke ökologisch derart belastet, daß sich über das enge Tal des Wasserfalls permanent ein ungeheurer Gestank ausbreitet. Eine einheimische Imbißverkäuferin berichtete, daß etwa ein Mal im Monat zudem die kleine Staustufe oberhalb des Wasserfalls geöffnet wird, "para limpiar el río", womit aber wohl eher die Fanggitter der Staustufe gereinigt werden. Sämtlicher Dreck einschließlich tierischer - und menschlicher - Kadaver wird dabei den Wasserfall hinabgespült.

Am Salto del Tequendama

Jedenfalls ist das Bedürfnis, es Humboldt gleich zu tun und zum Fuß des Wasserfalls vorzudringen, heute ganz sicher sehr gering. Überhaupt wird der Ort wohl wegen des Gestankes kaum noch besucht, weshalb ein eigentlich recht hübsches kleines Ausflugslokal aus der Zeit nach der Jahrhundertwende seit Jahren geschlossen ist.

Finca Coloma in Fusagasugá

Fusagasugá

Woran denkt man bei Kolumbien zuerst?
Schämen Sie sich! Sie sollten nicht so viele schlechte amerikanische Actionfilme sehen, die übrigens kaum einmal wirklich in Kolum­bien, sondern meist in den USA selbst oder in México gedreht worden sind.

Man denkt natürlich zuerst an den Kaffee! Der wird in ganz Kolumbien in ausge­zeichneter Qualität ange­baut, es ist nämlich ausschließlich die Sorte Arabica. Der Un­terschied zur in Deutsch­land meist im Handel befindlichen Kaffeemischung aus der Sorte Robusta ist nach der entschieden besseren Qualität hauptsächlich der Rohkaffeepreis. Das ist auch der Grund, weshalb ein sehr namhafter süddeutscher Kaffeeröster behauptet, daß reiner Kaffee nicht schmeckt, sondern erst die Mischung. Er meint natürlich den Robusta, dem dann Arabica zugemischt wird, so daß Preis und Geschmack in einem marktfähigen Verhältnis stehen. In Kolumbien wäre er längst pleite, weil man solche Kaffeepantschereien, die hier zur Wissenschaft erhoben wurden, einfach nicht braucht. Der Arabica ist gut und preiswert, man braucht ihn nicht mit der Mindersorte Robusta zu mischen. Allerdings darf man in Kolumbien keineswegs erwarten, überall hervorragend zubereiteten Kaffee serviert zu bekommen. Dazu muß man sich dann schon ein Café nach europäischem oder amerikanischem Standard suchen. Am bekanntesten ist die Kette der Marke Juan Valdez, aber ehrlich gesagt: wer einmal einen montaña roja oder gar einen hausgerösteten Kaffee probiert hat, wird den dort angebotenen Kaffee nicht mehr sonderlich schätzen.

Kaffeekirschen

Der Robusta trägt schon nach drei, der Arabica erst nach sechs Jahren. Der Arabica ist für die verschiedensten Krankhei­ten sehr anfällig und außer­dem viel frostempfindlicher. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder. Trotzdem läßt sich der Robusta nur in den USA und in Nordeuropa verkaufen. Die Südeuropäer einschließlich der Franzosen zahlen lieber den doppelten Preis, ehe sie sich mit der minderwertigen Qualität abfinden.

Wer sich nicht allzu weit von Bogotá entfernen, aber trotzdem einmal sehen möchte, wie Kaffee von der Pflanzenanzucht bis zum aromaverpackten Röstkaffee hergestellt wird, sollte sich die Finca Coloma in Fusagasugá etwa 50 Kilometer südlich von Bogotá ansehen.

Kolumbianisches Hochland

Girardot

An der nordwestlichen Ecke Südamerikas mit Küsten am Pazifik und in der Karibik liegt Kolumbien für den weltweiten Handel geografisch überaus günstig. Das Landesinnere bietet wegen der Äquatornähe vor allem in den regenreichen höher­gelegenen Gebieten das ganze Jahr hindurch aller­beste Bedingungen für den Ackerbau und die Vieh­zucht. Allerdings waren diese hochgelegenen Regionen noch zu Beginn des 20. Jahr­hunderts vor der Verbrei­tung des Kraftwagens kaum, und für Schwergut überhaupt nicht erreichbar. Anders als in Perú oder Bolivien konnte sich der Bergbau in Kolumbien nie so richtig entwickeln, so daß auch der Eisenbahnbau kaum lohnenswert erschien.

Girardot am Río Magdalena

Damit war der in der Gegend um San Agustin im Süden Kolum­biens entspringende und weit über tausend Kilometer weiter nördlich bei Barranquilla in die Karibik mündende Río Magdalena nicht nur die wichtigste, sondern weitgehend die einzige nutzbare Verkehrs­ader, über die auch die Hauptstadt Bogotá zu ver­sorgen war. Neben der nordwestlich von Bogotá am Río Magdalena gelegenen Stadt Honda spielte bis in die jüngste Vergangenheit die weiter flußaufwärts ge­legene Stadt Girardot, die man von Bogotá aus in etwa vier Stunden nach einem Höhenunterschied von über 2000 m erreicht, eine be­deutende Rolle.

Noch in den Sechzigerjahren reiste man von Bogotá aus ab Girardot den Río Magdalena hinab nach Barranquilla, um sich dort nach Europa einzuschiffen.

Girardot vom Tocarema aus

Im Zeitalter der Transat­lantikflüge und erschwing­licher Inlandflüge hat die Stadt ihre einstmalige Be­deutung als Knotenpunkt für den Personenverkehr ver­loren. Die aus früherer Zeit stammenden prächtigen Ho­tels sind an den Wochen­enden trotzdem gut belegt, denn inzwischen ist Girardot, das im Grunde kulturell nichts anzubieten hat, zu einer Art Naher­holungsgebiet für Bogotá geworden. Das Klima ist hier angenehm warm und trocken, und die Hotels bieten allen nur erdenklichen Komfort. Im Hotel Tocarema hält man sogar ein Rudel Rehe, das am Nachmittag am Swimmingpool äst. Trotzdem kostet dort das Doppelzimmer mit Früh­stück nur etwa 35 Euro die Nacht. Wie überall in Kolumbien muß man sich also auch hier über die Kosten keine großen Ge­danken machen.

Swimming pool im Tocarema

Gerade noch 4° nördlich des Äquators wird man sich tags­über wohl bevorzugt im Swimmingpool aufhalten, dessen Wasser allerdings so wenig wie anderswo Küh­lung ver­spricht, aber zumin­dest den vollen Service vom Frühstück über das Mittag­essen bis zum Kaffee und dem Drink am Nachmittag. Allerdings sollte man unbe­dingt an einen ausreichenden Sonnenschutz denken, denn man kann sich selbst bei sonnengewöhnter Haut innerhalb von Minuten einen hefigen Sonnenbrand zuziehen.

Balkon im Tocarema

Leider findet man in ganz Girardot kein auch nur halb­wegs ansprechendes Restau­rant. Will man also nicht im Hotel essen, so wird man sich also mit der grellbunten Plastiktischdecke begnügen müssen. Auch das ist Ko­lumbien, oder besser: Latein­amerika. Allerdings ist das Essen, man wird natürlich hauptsächlich Fisch wählen, durchaus annehmbar.

Man sollte sich nachts nur rechtsseits des Río Magdalena aufhalten. Die linksseits belegenen Stadtviertel sind sehr arm und die Kriminalität entsprechend hoch.

Quindío-Paß Ibagué - La Línea

Ibagué

Die Anden teilen sich von einem in der südkolumbianischen Provinz Pasto gelegenen Knotenpunkt in drei nach Norden verlaufende Kordilleren, die das Urwaldgebiet an der Pazifikküste vom Río Cauca, dessen Tal vom Río Magdalena, und schließlich dessen Tal vom Urwaldgebiet des Orinoco und des Amazonas trennen. Die Quelle des Río Cauca ist übrigens von den beiden Quellflüssen des Río Magdalena in der Gegend von San Agustin keine 50 km Luftlinie entfernt, jedoch auf dem entgegengesetzten Abhang der Zentralkordillere, die sich erst gut 1000 km weiter nördlich so weit absenkt, daß der Río Cauca schließlich in den Río Nechi und den Río Magdalena einmünden kann. Für die wirtschaftliche Entwicklung Kolumbiens sind diese topografischen Gegebenheiten sei jeher ein großes Hindernis gewesen, da jeder Verkehrsweg in ostwestlicher Richtung gewaltige Höhenunterschiede überwinden muß. Einer dieser Verkehrswege ist der Paß von Quindío, der von Ibagué auf etwa 1.200 m Höhe hinauf auf die Paßhöhe von La Línea in 3.300 m Höhe hinab nach Armenia auf 1.500 m Höhe führt.

Quindío-Paß La Línea - Armenia

Erst seit der Veröffentlichung seines Werkes Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas in deutscher Sprache im Herbst 2004 erinnert man sich in Deutschland eines Berliner Gelehrten, dessen Namen man in Kolumbien noch in den kleinsten Orten antrifft. Alexander von Humboldt ging im März 1801 nach stürmischer Überfahrt von Havanna auf Kuba in Cartagena de Indias an Land und reiste den Río Magdalena hinauf bis Honda. Da sich sein Reisegefährte Bonpland eine Fieberkrankheit zuzog, mussten sie zwei Monate in Bogotá bleiben, ehe sie die Reise über die natürlichen Brücken von Icononzo und den Paß von Quindío nach Cartago, und dann über Cali und Popoyán in Richtung Ecuador und Perú fortsetzen konnten.

Ibagué

Leider konnte ich den genauen Ort, an dem Humboldt die Tafel V seines o.a. Werkes gezeichnet hat, wegen des schlechten Wetters nicht ausmachen. Das hier veröffentlichte Bild ist von einem tiefergelegenen Ort in nordöstlicher Richtung fotografiert, während Humboldts Tafel die nordwestliche Gegend zeigt, die für mich wolkenverhangen war.

Kaffeeplantage bei Pereira

Armenia

Die Stadt ist erst 1889 gegründet worden und wurde vor wenigen Jahren von einem schweren Erdbeben fast völlig zerstört, wovon inwischen kaum noch etwas zu sehen ist. Sie ist das südliche Ende der so genannten Eje cafetero, die von den Städten Armenia, Pereira und Manizales gebildet wird.

Bosque de niebla oberhalb Salento

Salento

Auf halbem Wege zwischen Armenia und Pereira führt eine immerhin asphaltierte Straße durch das Gebirge hinauf nach dem Ort Salento. Von dort aus erschließt sich dem Besucher die höchstgelegene Region der zentralen Andenkette, die bis in den ewigen Schnee auf mehr als 5.000 m Höhe hinaufreicht. Das Gebiet ist zwar sehr einsam, kann aber als sicher gelten, weil dort Hochgebirgsjäger stationiert sind.

Direkt oberhalb von Salento, auf etwa 2.000 m Höhe, beginnt aber zunächst einmal eine Urwaldregion, der bosque de niebla, der Nebelwald. Zu Fuß ist der steile Anstieg, der teilweise über glitschige Felsblöcke hinaufführt, sehr beschwerlich, zumal die Höhe bereits deutlich zu merken ist.

Bosque de niebla oberhalb Salento

Glücklicherweise kann man aber auch dort Pferde mieten, die sehr trittsicher sind, und den Weg bestens kennen. Trotzdem sollte man unbedingt schwindelfrei sein, mit den Tieren umgehen können, und vor allem sicher im Sattel sitzen, denn mitunter verengt sich der Weg zwischen den Felsblöcken so sehr, daß man die Beine anheben muß, um böse Verletzungen zu verhindern. Außerdem ist an zwei Stellen ein reißender Fluß zu durchqueren, was die Pferde jedenfalls nicht freiwillig tun.

Plaza mayor in Villa de Leyva

Villa de Leyva

Wenn man die Savanne von Bogotá in nördlicher Richtung durchquert, so gelangt man hinter Tunja nach etwa vier Stunden Autofahrt in eine Ortschaft, die der erste Präsident von Neu-Granada 1572 ge­grün­det hat, und in der man sich in diese Zeit zurück­ver­setzt fühlt. Dieser wunder­schöne Ort liegt in einem lange vor Ankunft der Spanier schon be­siedel­ten Tal und ist voll­ständig im kolonialen Stil erhalten. Seit 1954 ist die nach ihrem Gründer Andrés Díaz Venero de Leyva benannte Stadt nationales Kulturerbe. Dabei waren die Beweggründe für die Stadtgründung einmal alles andere als erfreulich.

Plaza San Antonio in Villa de Leyva

In Neu-Granada lungerte nämlich zu jener Zeit das Strandgut der glorreichen Conquista herum, Gesindel, das man in der einsetzenden Koloniali­sier­ung nicht mehr brauchen konnte und daher auf den Rat der Bürger von Tunja hin in dieses Tal abschieben wollte. Stünden die Bürger von Tunja heute noch einmal vor der gleichen Situation, so würden sie ganz gewiß selbst umziehen, denn Tunja ist inzwischen eine schmucklose, staubige Provinzstadt ohne jeden Reiz.

Typische Gasse in Villa de Leyva

Ganz anders pflegt Villa de Leyva seine koloniale Tradition, schon um seinen Ruf als beliebter Touristenort zu erhalten. Der Ort lockt seine Besucher, hauptsächlich aus der Hauptstadt Bogotá, mit regelmäßigen Festen auf der Plaza Mayor an, dem Festival de Astronomía im Februar, dem Festival de Cometas im August, wobei cometa in diesem Falle ein Drachen ist, und dem Festival de Luces im Dezember, bei dem an mehreren Abenden ein beeindruckendes Feuerwerk präsentiert wird.

Lagune bei Villa de Leyva

Das Klima ist das ganze Jahr über sehr angenehm. Es regnet recht selten, und da das Tal auf gut 2000 m Höhe liegt, steigt die Tages­höchst­temperatur kaum über 25°. Auch wenn man inzwischen der gelegent­lichen "Hinter­las­sen­schaf­ten" wegen nicht mehr in die Stadt hinein­reiten soll, ge­hört das Pferd noch zum Alltagsbild, und die herrliche Umgebung lädt zu aus­ge­dehnten Ausritten ein.

Der Kronosaurus von Villa de Leyva

Die Gegend ist einmal ähnlich wie die Juragebirge in Süd­deutsch­land und Frank­reich ent­standen, weshalb man leicht Fossilien marinen Ur­sprungs finden kann. Einen ganzen Ichthyo­saurus, einen krono­saurus quensladicus von 20 m Länge hat man auch dort gefunden, der vor 12o Millionen Jahren gelebt haben soll, und in der ganzen Gegend liebevoll das fósil genannt wird. Tatsächlich ist die Versteinerung, für die eigens ein Museum errichtet wurde, von beeindruckender Größe, hat doch allein schon der Kopf des Tieres Mannslänge.

Indianischer Kultort bei Villa de Leyva

Die Ureinwohner des kolumbianischen Hochlandes gehörten der Chibcha-Kultur an, Ackerbauern wie die mittelamerikanischen Kulturen, die jedoch keine Staaten bildeten. Die Chibchas waren aus­ge­zeich­nete Gold­schmiede, deren Werke im Museo del oro in Bogotá zu sehen sind, verstanden sich aber auch auf die Astronomie. In der Nähe von Villa de Leyva ist, hauptsächlich dank der heute noch dort lebenden Nachfahren der Urein­wohner, eine Kultstätte mit einem aus einzelnen, in die Erde gesteckten Steinen bestehenden Kalender, und mehreren übermannshohen Steinsäulen, die genau das sein sollen, wofür man sie bei näherem Hinsehen halten möchte.

Umgebung von Villa de Leyva

Das Hochtal um Villa de Leyva mit seiner dunkelroten Tonerde und dem tiefen Grün der verstreuten Bäume und Sträucher bietet dem Reiter ein weites, landschaftlich überaus reizvolles und fast menschenleeres Ausflugs­gebiet. Pferde kann man sich überall mieten, in der Regel gleich mit einem orts­kun­digen Führer. Zu zweit mit Führer kostet ein Tages­aus­ritt ein­schließlich der Miete für die Pferde keine 30 Euro. Nach dem Mietstall brauchen Sie nicht selbst zu suchen. Man geht - ganz wie im Wilden Westen - ir­gend­wo etwas trinken und er­kun­digt sich beim Wirt in aller Ruhe. Zur vereinbarten Zeit stehen die Pferde da, mit Führer.

Beim Pozo de la Vieja

Sie sollten während ihres Aufenthaltes in der Stadt ab und zu wieder bei ihm einkehren und nicht vergessen, ihren Führer gelegentlich auch einmal einzuladen. Auch der hat Durst und außerdem gehört sich das so, auch in Kolumbien. Ein überaus romantischer Ort dafür ist der Pozo de la vieja, in malerischer Umgebung an einem Fluß gelegen. Essen kann man auch dort, aber la vieja, die Alte, bat uns, doch lieber vorher bei ihr anzurufen - und gab uns ihre Handynummer.

Unter der Ersten Kaskade

Man wird die Gegend um Villa de Leyva nicht unbedingt als wasserreich bezeichnen dürfen, aber trotzdem trifft man immer wieder auf reißende Flüsse, die im östlichen Gebirgskamm entspringen und gelegentlich malerische Kaskaden bilden. Am Fuß dieser Kaskade hat sich ein kleiner See ausgebildet, der bei durchaus noch erträglicher Wassertemperatur zum Schwimmen einlädt.

Oberhalb des Pozo de la vieja
Café in Ráquira

Ráquira

Auf der westlichen Route von Villa de Leyva nach Bogotá über Chiquinquirá liegt eine malerische Ortschaft namens Ráquira, die man als die heimliche Welthauptstadt der Töpferei ansehen möchte. Im ganzen Ort werden ausgesprochen hübsche Töpferwaren mit teilweise sehr ausgefallenen Ideen angeboten, überdies Kunstgewerbe, hauptsäch­lich Webereien. Leider kann man die meisten Töpfer­waren schon ob ihrer Größe nicht mitnehmen, aber seine Hängematte für den heim­ischen Balkon sollte man unbedingt dort kaufen. Sie hält wahrscheinlich ein Leben lang und kostet handgewebt etwa 30 Euro.

Hotel in Raquirá

Ráquira ist aber auch sonst sehr sehenswert und ein beliebtes Ausflugsziel. Sämtliche Häuser des Ortskerns sind in grellen Bauklotzfarben an­ge­malt, als gäbe es einen Wettbewerb um das bun­te­ste Haus der Ort­schaft. Wie ich bei einem späteren Besuch erfahren habe, werden diesem Treiben allerdings Grenzen gesetzt: Die herrlich rote Cantina ist inzwischen auf den Druck der Gemeindeverwaltung hin blaßblau gestrichen worden.

An diesem heute recht entlegenen Ort befindet man sich auf der Route der spanischen Eroberer, die sich 1536 in Santa Marta an der Karibikküste unter Gonzalo Jiménez de Quesada in zwei Gruppen ins Landesinnere aufmachten, um die Quelle des Rio Magdalena und den Landweg nach dem drei Jahre vorher eroberten Perú zu erkunden. Eine Gruppe fuhr den Magdalena hinauf, die andere erreichte über Land den Ort Tamalameque am Magdalena in der heutigen Provinz Norte de Santander, wo sich beide Gruppen wieder trafen. Trotz der Strapazen erreichten sie den Ort Barrancabermeja westlich von Bucaramanga, wo sie auf Indianer trafen, die Salz und kostbare Stoffe als Handelsware transportierten und wahrscheinlich aus der mittleren Kordillere entlang des Rio Opón ins Magdalenatal hinabgestiegen waren. Quesada wußte um die Existenz des Chibchavolkes im zentralen Hochland und zudem erwies sich die Fahrt per Schiff den Magdalena hinauf als sehr schwierig, weshalb er beschloß, dem Indianerpfad zu folgen, so daß er im März 1537 nach Moniquirá, etwa 30 km nördlich von Villa de Leyva, und von dort über das heutige Sutamarchán und den Ort Tinjacá nach Ráquira gelangte. Das Gebirge in gerader Linie nach Süden überquerend gelangten die Conquistadoren bei Nemocón schließlich auf die heutige Route und über Zipaquirá und Chia nach Bogotá, einem der größten Häuptlingstümer der Chibcha.

Templo del sol

Sogamoso - Sugamuxi

Rund zweihundert Kilometer nordöstlich von Bogotá liegt in der östlichen Andenkette, die das Hochtal von Bogotá vom Tiefland des Orinoco und des Amazonas trennt, auf 2400 m die Stadt Sogamoso, einst der sagenhafte Ort Sugamuxi, wohin sich Bochica, der Schöpfer der Savanne von Bogotá, zurückgezogen haben soll. Bis zur Zerstörung des Sonnentempels durch die Spanier im Jahre 1537 war der Ort das religiöse und kulturelle Zentrum der Ureinwohner.

Wohnhaus der Chibcha

Die Chibcha- oder Muisca- Kultur war im zentralen Hochland Kolumbiens zwischen der mittleren und östlichen Andenkette beheimatet und zählt nach den Mayas, Azteken und Inka zu den höchstentwickelten vorspanischen Kulturen Amerikas. Die Chibcha lebten von der Landwirtschaft, betrieben Salz- und Kohlebergbau, waren hervorragende Töpfer, Weber, und noch bessere Goldschmiede. Anders als die mittelamerikanischen Kulturen war der Mais nicht das Hauptnahrungsmittel, sondern wurde durch die Quinua (eine Art Getreide), die Kartoffel, und die Yuccawurzel ergänzt.

Tempeleingang

Wie bei den mittelamerikanischen Kulturen hatten die religiösen Oberhäupter bedeutenden weltlichen Einfluß und stellten die intellektuelle Oberschicht. Auch Menschenopfer, die vom ideologischen Hintergrund und der Zeremonie her stark an die der Azteken erinnern, waren gebräuchlich, allerdings bei weitem nicht in dem von Mittelamerika her bekannten Ausmaß.

Tempel innen

Der 1537 niedergebrannte Sonnentempel - das soll bei der Plünderung durch die Spanier aus Unachtsamkeit geschehen sein - ist an seinem früheren Ort originalgetreu wieder aufgebaut worden und wird als Heiligtum der Ureinwohner respektiert. Der Tempel hat in etwa die von Stonehenge her bekannten astronomischen Funktionen und der das gesamte Rundgebäude tragende hohe Pfahl in der Mitte verleitet zu der Vermutung, daß es mit Hilfe des Indischen Kreises orientiert worden ist. Weit oben sind in allen vier Himmelsrichtungen Fensterläden angebracht, um die Sonnwenden und die Tag- und Nachtgleichen zu bestimmen. In der Nähe des Tempels sind Gräber gefunden worden, wovon eines nach Freilegung samt dem umgebenden Erdreich ausgehoben und hier ausgestellt worden ist.

In Tempelnähe gefundenes Grab

Anders als bei den Azteken und Inka formte sich bei den Chibcha bis zur Ankunft der Spanier keine militärische Zentralgewalt heraus, sondern es blieb bei mehreren Häuptlingstümern, die teilweise sogar gestaffelt tributpflichtig waren. Das religiös und zuletzt auch politisch bedeutendste Häuptlingstum war das des allerdings durch den Hohepriester von Sugamuxi dominierten Zaque von Tunja, der den Zipa (ein sich auf rein weltliche Macht stützender Häuptling) von Bogotá wenige Jahre vor Ankunft der Spanier militärisch unterwarf.

Lago de Tota am Pozo azul

Lago de Tota

Oberhalb von Sogamoso liegt auf knapp über 3000 m der höchstgelegene See Kolumbiens, der Lago de Tota. Es ist ein sehr einsamer Ort, so still, daß man unwillkürlich leise spricht. Jeden gelegentlichen Vogelruf und jede springende Forelle läßt sich einzeln heraushören. Diese Stille gibt der Gegend etwas eigentümlich Mysteriöses, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Lago de Tota am Pozo azul

Trotz der Höhe, unter der übrigens auch höhengewohnte Kolumbianer leiden, wird die Gegend um den See intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Lago de Tota am Pozo azul
Lago de Tota am Pozo azul

Die Höhenrücken um den See herum sind zwar recht karg, aber man findet dort eine Vielzahl üppig blühender Blumen und Sträucher. Dieser Strauch ist allerdings keine Alpenrose, wie man selbst bei näherem Hinsehen noch meinen könnte.

Wachturm auf San Felipe

Cartagena

Mit Recht bezeichnet man Cartagena als die Königin der Karibik. Innerhalb der muralla, einer gewaltigen Befestigungsanlage, ist die Stadt vollständig im kolonialen Stil erhalten und restauriert, so daß auch noch der hinterste Winkel ein Foto wert ist.

Die Bucht von Cartagena wurde bereits 1501 von Rodrigo de Bastidas erkundet, aber gegründet wurde die Stadt erst, als Francisco Pizarro gerade mit der Zerschlagung des Inkareiches beschäftigt war, von Pedro de Heredia am 1.6.1533 zur Unterscheidung von der gleichnamigen Stadt in Spanien als Cartagena de Poniente. Eingebürgert hat sich Cartagena de Indias. Als Handelsplatz erfuhr die Stadt sofort einen steilen Aufstieg und erlebte schon 1544 den ersten Piratenangriff durch Robert Baal. Seitdem war die Stadt jahrhundertelang bis in das 19. Jahrhundert der ständigen Bedrohung durch Piraten ausgesetzt und wurde mehrfach geplündert, u.a. 1587 durch den englischen Erzfeind der Spanier, Francis Drake, der die Stadt 48 Tage lang besetzte. Am 13.4.1697 kreuzte der französische Baron de Pointis vor Cartagena auf, beschoß die Stadt am folgenden Tag und landete auf der vorgelagerten Halbinsel Tierrabomba. Die dortige Festung San Luis de Bocachica wird den Franzosen von meuternden Negersklaven übergeben.

Festung San Felipe

Pointis nimmt die 1657 fertiggestellte Festung San Felipe und bombardiert von dort aus die Puerta de media luna, das Halbmondtor. Schließlich kann er durch die geschossene Bresche in die Stadt eindringen und zieht erst am 1.7.1697 wieder ab. Eine sehr viel rühmlichere Rolle spielt San Felipe, als 1741 der englische Admiral Sir Edward Vernon mit 23.000 Mann auf 180 Schiffen, bestückt mit 64 Kanonen, die Stadt angreift und besetzt. Dem spanischen Verteidiger der Stadt, Blas de Lezo, stehen nur 6.000 Mann zur Verfügung, also zieht er sich in die hinter der Stadt landeinwärts gelegene Festung zurück, die er erfolgreich verteidigen kann, bis die Engländer schließlich abziehen müssen. Schließlich genießt die Stadt weltweit den Ruf der Uneinnehmbarkeit und tatsächlich konnte während der Unabhängigkeitskriege 1816 Pablo Mirdillo die von den Aufständischen gehaltene Stadt nur durch eine langanhaltende Belagerung und durch Aushungern bezwingen.

Kathedrale Santo Domingo in Cartagena

Zwischen 1535 und 1625 etablierten sich mehrere katholische Orden mit Konventen und Kirchen in der Stadt, darunter 1579 Santo Domingo, 1582 San Agustin und 1590 San Francisco, die Jesuitenschulen San Diego, Santa Clara, Santa Teresa, La Merced und Santa Cruz de la Popa. Mit der Zeit fielen diese Bauten in weltliche Hände und wurden in öffentliche Schulen und Verwaltungsgebäude umgewidmet.

Hafeneinfahrt in Cartagena

Eine der ältesten Festungen Cartagenas liegt direkt gegenüber der engsten Stelle der Hafeneinfahrt, die damit sowohl von der Stadtmauer, als auch von dieser Festung aus unter Beschuß genommen werden konnte. Die Anlage ist heute eines der em­pfeh­lens­wertes­ten Res­taur­ants der ganzen Stadt, der Clube des Pesca, der Fischerei­klub. Wenn man kein Taxi nehmen will, gelangt man zu Fuß durch die Puerta de media luna über die nahe­ge­le­gene Brücke über die Hafen­ein­fahrt dorthin. Die Res­tau­rant­ter­ras­se bietet einen her­rlichen Blick auf den Hafen. Über die Preise braucht man sich keine Sorgen zu machen, das Gericht kostet nämlich um die 10 Euro.

Pferdekutsche in Cartagena

In Cartagena werden die Pferdekutschen ähnlich wie in Wien der Fiaker sehr traditionsbewußt gepflegt. Eine Stadt­rund­fahrt, die ungefähr 15 Euro kostet, sollte man sich also nicht ent­gehen lassen. Die Stand­plätze der Kutschen findet man vor allem an den beiden Zu­fahrts­straßen durch die Stadt­mauer von der Küsten­straße her, an der Puerta de media luna in der Nähe des Hafens, und auf allen großen Plätzen im Alt­stadt­kern. Bis auf einige wenige Straßen direkt entlang der Stadt­mauer ist die ganze Alt­stadt Fuß­gänger­zone, vor allem am Abend ist die Kutsch­fahrt ein un­ver­ges­sliches Erlebnis.

Chiva

In sämtlichen amerikanischen Actionfilmen spielt beim spektakulären Rückzug aus der Gefangenschaft bei der kolumbianischen Drogenmafia ein schrill bemalter alter Reisebus eine bedeutende Rolle: die Chiva, tatsächlich eine traditionelle kolum­bi­anische Ein­richtung, ent­stan­den aus den ge­le­gent­lichen abend­lichen Aus­flügen der Dorf­jugend in die Stadt zur Rumba. In einer Chiva geht es über­aus eng und fröh­lich zu, man muß also schon ein bißchen Spaß verstehen. Im Bus fährt oft eine Gruppe Musikanten mit, und es werden Rum- und Cola­flaschen durchgereicht, ge­mixt wird nach per­sön­lichem Ge­schmack von 0 bis 100%. Allerdings trinkt auch in Kolumbien der Fahrer nicht mit.

Islas del Rosario

Islas de Rosario

Der Halbinsel von Cartagena vorgelagert, in etwa einer Stunde Fahrt mit der Lancha, einem überdachten Ausflugsboot für etwa 20 Personen, erreichbar, liegt ein kleiner Archipel, der von den Kolumbianern strikt natur­ge­schützt wird. Nur ganz bestimmte Inseln dürfen über­haupt in ge­führten Gruppen betreten werden. Dort sind Aus­flugs­lokale mit Swim­ming­pools gebaut worden, an­sonsten sind die Inseln un­be­wohnt, da es kein Süß­was­ser gibt. Die gut or­ga­ni­sierten Aus­flüge be­in­halten das Mit­tag­essen auf der Insel des Ver­an­stalters. Zusätzlich werden ebenfalls begleitete Schnorchel­aus­flüge in einer der Koral­len­buchten, ein Besuch im Meeres­aquarium, oder eine Insel­rund­fahrt angeboten.

Die Inseln sind ob ihrer Un­be­rührt­heit wirklich traum­haft schön, man sol­lte sich also den Aus­flug dort­hin auf keinen Fall ent­gehen lassen, auch wenn die Über­fahrten bei See­gang viel­leicht etwas aben­teuer­lich an­muten. Für zwei Personen kostet der Tages­aus­flug mit allem, was dazu gehört, keine 60 Euro.

Strand von Santa Marta

Santa Marta

Von Cartagena aus erreicht man mit dem Bus in etwa vier Stunden Santa Marta. Die Straße führt gleich hinter Barranquilla durch das Mündungsgebiet des Río Magdalena, und danach durch die Cienaga Grande de Santa Marta, ein riesiges Mangroven­sumpf­ge­biet, das leider aus­ge­sprochen trostlos aussieht. Die Man­gro­ven­wälder sind vollständig abgestorben, es ragen nur noch die nackten Baumstümpfe aus dem trüben Wasser.

Ferienanlage in Santa Marta

Die ersten Expeditionen nach Kolumbien unter­nah­men die Spanier im Jahre 1499 von Panamá her. Nach Gründung der ersten Siedlungen im Golf von Urabá, der sich an die heutige Grenze zu Panamá anschließt, folgten die Spanier der karibischen Küste und gründeten schließlich im Jahre 1525 mit Santa Marta die älteste Stadt Kolumbiens. Hierher zog sich Simón Bolivar, der die Unabhäng­igkeit der südamerikanischen Kolonien erzwang, nach einem Attentat gesundheit­lich schwer angegriffen, aus dem politischen Leben zurück.

Bucht von Taganga

Die Stadt ist bis heute ein überaus beliebter, ruhiger Badeort, und die entlang des Strandes ge­le­ge­nen Hotels und Ferien­an­lagen bieten alle nur er­denk­lichen An­nehmlichkeiten. Die gepflegten Badestrände liegen geschützt in der Bucht zwischen Barranquilla und Santa Marta, weshalb die See hier viel ruhiger als in Cartagena ist. Angenehm fällt außerdem die geringe Zahl der Strandverkäufer auf, die in einigen Regionen Lateinamerikas eine regelrechte Plage sind.

Es lohnt sich der Ausflug in die malerisch gelegenenen Fischerorte der näheren Umgebung, solange man sich wirklich nur in unmittelbarer Nähe der Stadt und entlang der Küste aufhält. Keines­falls sollte man der Ver­suchung nachgeben, die kaum 100 km entfernte Sierra nevada de Santa Marta zu besuchen. Dort ist im Sommer 2003 eine Gruppe aus­län­discher Ruck­sack­touristen, unter anderem eine Deutsche aus Bremen, entführt und erst nach Monaten wieder freigelassen worden.

San Andrés - Spratt Bigth beach

San Andrés

Zu Kolumbien gehören auch einige Inseln im hintersten Winkel der Karibik, keine 200 km vor der Ostküste von Nicaragua. Die größte dieser Inseln ist San Andrés. Die Bewohner sind meist afrikanischer Abstammung und sprechen unter sich ein "broken english", das sich nach meinem Empfinden auf jeder Insel anders anhört und nur in San Andrés als englisch erkennbar ist. Ein Taxifahrer, den ich dazu näher ausgefragt habe, versicherte mir aber, daß es korrektes englisch sei, nur die Aussprache sei anders. Die kaffeebraune junge Dame in einem der nächsten Fotos erzählte mir übrigens in etwa das Gleiche. Zur Zeit der englischen Herrschaft über den Archipel hätten ja die "Neuankömmlinge", wie sie es nannte und damit elegant überspielte, daß ihre Vorfahren afrikanische Sklaven waren, kein englisch gekonnt und daher da ein bißchen was verändert, und dort ein bißchen ...

San Andrés - Johnny Key

Gegenüber der Nordspitze der Insel liegt Johnny Key, ein Ausflugsort mit einem herrlich weißen Strand und kristallklarem Meer. Die Restauration hält Iguane von beachtlicher Größe als Haustiere. Die Ausflüge zu diesem Key sind recht gut organisiert, allerdings habe ich feststellen müssen, daß die Begleiter einigermaßen genervt waren und für Kolumbianer einen ungewöhnlich rauhen Ton angeschlagen haben. Die beiden Fotos habe ich übrigens von meinem Hotelzimmer aus aufgenommen.

San Andrés - Cueva de Morgan

Einst war das Archipel der Schlupfwinkel des Piraten Henry Morgan, der von hier aus mit Billigung der englischen Krone nicht nur die jährlich aus Panamá und Cartagena heimlaufende spanische Silberflotte überfiel, sondern auch die spanischen Besitzungen in Venezuela und schließlich sogar Panamá erfolgreich angegriffen hat. Dieser historische Hintergrund wird für eine Touristenattraktion genutzt, die Morgan's Cave. Da ist tatsächlich eine Höhle, aber sehr viel interessanter sind die gesammelten Ausstellungsstücke aus dem 17. Jahrhundert und der Nachbau eines Piratenschiffs.

San Andrés - Cueva de Morgan, Waffensammlung
San Andrés - Cueva de Morgan, Säbel mit Pistole

Bis dahin noch nie gesehen habe ich diese Waffe, deren Anwendung ich mir ausgesprochen niederträchtig vorstelle: Droht dem Besitzer die Niederlage im ehrenhaften Gefecht mit blanker Waffe, so erschießt er seinen Gegner eben einfach. Wenn man nämlich genau hinsieht, ist an diesem Säbel kurz vor dem Griff entlang der Klinge eine kleine Pistole montiert. Der Abzug ist direkt vor dem Handschutz.

San Andrés - isleña

Auf der Insel wird auch eines der typischen Holzhäuser aus der späten Kolonialzeit als Museum unterhalten. Das Häuschen ist vollständig mit den Möbeln und dem Hausrat etwa aus den Zwanzigerjahren ausgestattet. Auch der Sonntagsstaat eines Ehepaares wird dort ausgestellt. Diesen sicherlich damals gut situierten Isleños hat es an nichts gefehlt, nur die Kochstelle - Herd würde ich das nicht nennen - ist doch etwas einfach ausgefallen.

Old Providence - bahía Santa Catalina

Old Providence

Von San Andrés aus erreicht man mit einem Flugzeug für 20 Passagiere in einer knappen halben Stunde Henry Morgan's einstigen Stützpunkt, die Inseln Old Providence und Santa Catalina. Den seichten, kaum zweihundert Meter breiten Kanal zwischen den Inseln ließ Morgan seinerzeit ausgraben, wobei ich eher glaube, daß der Kanal natürlich ist und lediglich eine schiffbare Rinne aus dem Sandgrund ausgehoben wurde. Genutzt werden kann der Kanal nicht mehr, weil eine hölzerne Pontonbrücke, die Brücke der Verliebten, darüber hinwegführt.

Old Providence - Morgan's Fort

In der Bucht von Santa Catalina, die durch die vorgelagerte gleichnamige Insel ausgeformt wird, befinden sich auch heute noch der Hafen und das Siedlungszentrum von Old Providence. Dieser Hafen, aus dem er durch den Kanal notfalls flüchten konnte, wurde durch ein Fort auf Santa Catalina verteidigt, das später auch die Spanier weiter unterhielten.

Old Providence - Morgan's Head

Auf der Seeseite von Santa Catalina findet man nach einer knappen halben Stunde Fußmarsch durch den Wald über dem Strand diesen natürlichen Felskopf, dem Ähnlichkeit mit Henry Morgan zugeschrieben und der deshalb Morgan's Head genannt wird. Überall auf dem Archipel werden Touristenartikel mit diesem Naturdenkmal angeboten.

Old Providence - Sweetwater Bay

Auf Old Providence wird man überall an Stevensons Schatzinsel erinnert. In der Sweetwater Bay dürften schon die alten Piraten Wasser gefasst haben; denn an einem kegelförmigen Hügel, der als Fernrohrhügel durchgehen könnte, fließt ein Flüsschen vom Inselinneren in die Bucht, das auch heute noch die Wasserversorgung der gesamten Insel sichert. In dieser wunderschönen Bucht habe ich in einem einfachen, aber sehr ordentlich geführten Hotel Quartier bezogen.

Old Providence - represa

Allerdings gilt es heute, einen ganz anderen Wasserbedarf zu decken als damals. Nicht etwa, weil die Insel eine Bevölkerungsexplosion erlitten hätte; denn Captain Morgan hat Panamá seinerzeit immerhin mit rund 1.200 Mann angegriffen und die heutige Population beläuft sich nach mir gegebenen Auskünften nur auf 1.600 Seelen. Ich nehme aber an, daß sich die Herren Piraten doch deutlich seltener als die heutigen Isleños gewaschen und geduscht haben. Außerdem dürften sie wohl kaum Touristen in Größenordnungen beherbergt haben und die paar Geiseln, für die sie Lösegeld erpresst haben... Jedenfalls braucht die Insel heute einen Stausee, der recht malerisch im Tal hinter dem "Fernrohrhügel" gelegen ist.

Old Providence - Rolando

Am Strand von Manzanillo betreibt Rolando dieses urige Restaurant. Auch wenn das alles ein bißchen an der Sauberkeit zweifeln läßt und eigentlich genau der Ort ist, an dem Europäern dringend empfohlen wird, auf keinen Fall etwas zu essen, kann man das ruhig riskieren: In Kolumbien habe ich mir nur ein einziges Mal Moctezumas Rache eingefangen und das war in einem Nobelrestaurant in Villa de Leyva.

Old Providence - cayo cangrejo

Was wäre eine Pirateninsel ohne Krebse. Die Pfähle, an die man die Delinquenten festband, habe ich nicht mehr gefunden, aber Krebse gibt es in San Andrés und Old Providence tatsächlich jede Menge. Nirgendwo habe ich aber mehr als auf einer kleinen vorgelagerten Insel gesehen, die wohl deshalb Cayo Cangrejo genannt wird. Auch diese Insel ist ein Ausflugsort, aber es kommen nur sehr wenige Leute zu einem kurzen Besuch, eine Restauration gibt es da nicht. Viel interessanter ist nämlich das ganz in der Nähe liegende Korallenriff, 32km lang und das drittgrößte der Welt. Leider war die See bei meinem Besuch zu unruhig, um von der Insel die Strecke von etwa einem Kilometer vollends zum Riff zu schwimmen, aber schon Cayo Cangrejo bietet herrliche Möglichkeiten zum Schnorcheln.

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