Alkohol


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Inhaltsverzeichnis

Alkoholrechner - wozu ?

Diese Webseite entstand auf Anregung eines Freundes gelegentlich einer Unterhaltung über ein heute wohl schon fast alltägliches Ereignis: ein Kollege hat seinen Führer­schein abgeben müssen und es stellte sich die alte Frage, wieviel er getrunken hat, um zum festgestellten Blut­al­ko­hol­spiegel zu kommen.

Hinter dieser Frage steckt fast immer die Erwartung, man könne sich an die Grenze des Erlaubten herantrinken und deshalb ist meine Antwort seit Jahren auch stets dieselbe. Sicher kann man grob abschätzen, wann die Pro­mil­le­grenze erreicht ist, aber was hat man mit diesem Wissen eigentlich gewonnen? Im Grunde will man sich mit dieser Wißbegierde doch nur vor einer ganz einfachen Entscheidung drücken:

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Trinken oder fahren Sie - Niemals beides gleichzeitig!

Die sehr zu Recht niedrigen Blut­al­ko­hol­grenzen lassen Ihnen sowieso keine andere Wahl, wenn Sie Ihren Führerschein behalten wollen. Sie werden beim Nachrechnen darauf kommen, daß Sie höchstens einmal einen Schnaps (2 cl, nicht mehr !) trinken können, weil es kalt ist oder weiterfahren können, wenn Ihnen zu Weihnachten ein Glas Sekt angeboten wurde. Danach sollten Sie Ihr Auto stehen lassen.

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Das erzähle ich Ihnen nicht, weil ich ein militanter Antialkoholiker bin, sondern weil ich vom Al­ko­hol und dessen übermäßigem Genuß wirklich etwas verstehe, denn ich bin Alkoholiker. Seit vielen Jahren trocken, aber ein "Spriti". Ist Ihnen jetzt sowas wie ein "Aha, alles klar!" herausgerutscht ? Dann ist Ihnen bis jetzt nichts, aber auch gar nichts klar, denn ich neide Ihnen Ihren Al­ko­hol­genuß nicht. Würde ich das, so könnte ich meine Abstinenz in unserer versoffenen Gesellschaft wohl kaum über so lange Zeit erfolgreich verteidigen. Jawohl, verteidigen, wenn Sie einmal an die gesell­schafts­üblichen Sprüche und regelrechten Nötigungen denken, mal ein Gläschen zu trinken. Zählen Sie einmal eine Woche lang mit, wie oft und wie aufdringlich Ihnen Al­ko­hol angeboten wird und Sie werden mir Recht geben. Und vielleicht in Zukunft eher respektieren, wenn jemand Ihr Angebot ablehnt.

Schätzungsgrundlagen

Alkoholgehalte

Getränk Menge Alkohol
    g %
Rotwein ¼ Liter 23 9
Weißwein ¼ Liter 20 8
Sekt ¼ Liter 25 10
Apfelwein ¼ Liter 11 4
Wermut ¼ Liter 30 12
Bier (Pils etc.) 0,2 Liter 8 4
Bayerische Maß 1 Liter 40 4
Bockbier ½ Liter 23 5
Doppelbock ½ Liter 26 5
Schnaps 2 cl 8 40
Eierlikör 2 cl 5 25

Wenn Ihnen beim Führerscheinentzug erzählt wurde, Sie hätten ein Promille gehabt, so ist damit gemeint, daß vom Gesamtgewicht der Ihnen entnommenen Menge Blut ein Tausendstel reiner Al­ko­hol war. Will man nun aus der getrunkenen Menge Al­ko­hol auf dieses Gewichtsverhältnis schließen, so müsste man also das Gesamtgewicht der aufnahmefähigen Körpermasse zum Al­ko­hol­ge­halt der ge­trunkenen Menge ins Verhältnis setzen.

Die alte Schulweisheit, der Mensch bestehe zu 70% aus Wasser, stimmt nicht ganz: Frauen sind entgegen jeder Erwartung etwas trockener und der Anteil des wasserhaltigen Körpergewebes nimmt auch mit dem Körpergewicht ab. Jedenfalls aber ist dieser Teil des Gesamt­kör­per­ge­wichtes die alkohol­auf­nahme­fähige Körper­mas­se und damit 1000 Promille. Wider­sprechen Sie nicht! In der medizinisch-psychologischen Unter­suchung müs­sen Sie so rechnen, sonst fallen Sie schon allein deshalb durch.

Wieviel Alkohol ist nun in welchem Getränk? Anstatt jeweils den Wirt zu fragen, der das sowieso nicht zu sagen weiß, verwendet man die hier abgedruckte Tabelle. Wir gehen nicht auf die Frage ein, ob Bier leichter oder schwerer als Wasser ist, sondern rechnen den Liter alkoholischen Getränkes mit einem Kilogramm. Sind da nach der Tabelle z. B. 5% Al­ko­hol drin, dann enthält der Liter 50 Gramm Alkohol.

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Wir müssen nun eine Tatsache be­rück­sichtigen, die noch jeden gestandenen Säufer in den finanziellen Ruin getrieben hat: der Körper baut den Al­ko­hol ab. Machen Sie sich keine Hoffnungen, das rettet Sie nicht, denn es sind beim gesunden Menschen nur 0,1 Promille pro Stunde. Hoffen Sie auch nicht darauf, bei einem anständigen Dauerlauf mehr abgebaut zu haben: es sind 0,1 Promille pro Stunde, gleichgültig was Sie tun oder nicht tun. Auch Ihre Ölsardine oder Schweinshaxe ändert nichts daran und glauben Sie bloß nicht, Sie hätten damit bewirkt, daß der Al­ko­hol langsamer ins Blut übergeht.

Der Alkoholrechner

AlkiCalc

Sie sind mit kg
und haben vor Stunden
getrunken.
Ihr Blutalkoholspiegel 0/00
Ihr Restalkohol 0/00
Sie sind frühestens in Stunden wieder nüchtern.

Für Ihre MPU müssen Sie das im Schlaf können, wenn Sie Ihren Führerschein jemals wieder haben wollen. Hier soll Ihnen der Al­ko­hol­rech­ner die Rechenarbeit ersparen. Geben Sie Ihr Kör­per­ge­wicht und die Zeit in Stunden seit dem letzten Al­ko­hol­ge­nuß ein, und wählen Sie das Getränk aus. Jetzt können Sie entweder eingeben, wieviel Sie getrunken haben, dann wird Ihr Blut­alko­hol­spie­gel ausgerechnet, oder Sie geben letzteren ein, dann wird die Trinkmenge des eingestellten Getränks berechnet. In jedem Falle wird aber der insgesamt aufgebaute Blut­alko­hol­spie­gel an­ge­zeigt, damit Sie sehen, daß der be­reits ab­ge­baute Al­ko­hol so gut wie nichts zu Ihrer Fahr­tüch­tig­keit bei­ge­tragen hat.
Nach Eingabe der Werte klicken Sie bitte in das Feld, in dem Sie das Rechenergebnis erwarten.

Einige Worte zur MPU

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General Custer, abstinent

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Wyatt Earp, abstinent

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Ernest Hemmingway
nicht abstinent

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Marilyn Monroe
nicht abstinent

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Robert Mitchum
nicht abstinent

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Judy Garland
nicht abstinent

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Liz Taylor, nicht stabil

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Whitney Houston, entgleist

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George W. Bush
seit 1986 abstinent

Wenn Sie mit 1,3 Promille und mehr erwischt worden sind, gelten Sie als zum Führen eines Fahrzeuges ungeeignet und müssen diese Vermutung in einem medizinisch-psychologischen Test widerlegen. Machen Sie sich bitte zunächst einmal in aller Ruhe klar, daß Ihnen der Führer­schein nicht zur Strafe oder gar purer Schikane entzogen wurde, sondern weil Sie mit Ihrem Hang zum Al­ko­hol hinter Ihrem Steuer zur gemein­ge­fähr­lichen Be­drohung werden und dem Amok­läufer im Ge­fähr­dungs­po­ten­tial in nichts nachstehen. Solange Sie das nicht eingesehen haben, brauchen Sie Ihren Antrag auf Wieder­er­teilung der Fahr­er­laubnis nicht zu stellen, Sie vergeuden nur Zeit und Geld.

Sie können dann mehr als, wie man so schön sagt, ge­sell­schafts­üblich trinken. Mit dieser Fähig­keit sind Sie nicht geboren, das haben Sie ge­lernt, in der Kneipe, auf Parties und vor dem Fernseher. Wenn Sie jetzt ab­streiten, mehr als andere zu trinken, muß man Ihnen das sogar glauben: Wie sollten Sie bei Ihrer Sauferei wohl noch mit Leuten näheren Umgang haben, die im tat­sächlich nor­malen Rahmen oder gar nicht trinken. Machen Sie sich darüber einmal ernst­haft Gedanken, Sie haben allen Grund dazu. Außer­dem haben Sie nicht die geringste Chance, Ihren Führer­schein jemals wieder zu be­kommen, wenn Sie das nicht tun.

Ihre wiedererlangte persönliche Eignung zum Führen eines Fahr­zeuges beweisen Sie nicht da­durch, daß Ihnen das alles schreck­lich leid tut. Zu­nächst einmal bereuen Sie nämlich keines­wegs, be­sof­fen ge­fahren zu sein, sondern Sie bedauern den Entzug Ihrer Fahr­er­laubnis. Die kriegen Sie nur wieder, wenn Sie den Psy­cho­logen nach­haltig davon über­zeugen kön­nen, daß Sie nie wieder be­trunken Auto fahren werden. Seien Sie froh, daß Sie diese Chance überhaupt haben. Schon die Wahr­schein­lich­keit, daß Sie wieder be­trunken am Steuer er­wischt werden, ist sta­tis­tisch immer­hin 40%. Ich schätze, daß keine 10% aller Trunken­heits­fahrten ent­deckt werden, womit statistisch gesehen so gut wie sicher ist, daß Sie erneut be­trunken fahren werden. Ent­sprech­end schlechte Aus­sichten haben Sie, den Psychologen - und jeden anderen - davon zu über­zeugen, daß aus­gerech­net Sie nicht mehr be­trunken fahren werden.

Werfen Sie trotzdem nicht die Flinte ins Korn. Wenn Sie sich mit Ihrer Trunkenheitsfahrt und Ihrem Verhältnis zum Al­ko­hol genügend auseinandersetzen, gibt man Ihnen irgendwann auch Ihre "Pappe" wieder. Dazu gehört vor allem, daß Sie die Geschichte Ihrer Sufffahrt aufgearbeitet präsentieren können. Der Hauptteil Ihrer MPU wird sich nämlich darum drehen. Sie haben Ihr Strafverfahren regelmäßig schon länger hinter sich, wenn Sie zur MPU erscheinen. Es ist also nicht nur unnötig, sondern sogar völlig falsch, Ihre schon abgestrafte Verfehlung zu verharmlosen, zu beschönigen oder als eine Ausnahmesituation darzustellen. Man kann Sie nicht ein zweites Mal belangen, und Ihre Ausreden würden dem Psychologen nur zeigen, daß Sie noch längst nicht zur notwendigen Einsicht gekommen sind.

Solange Sie Ihren Blut­alko­hol­spie­gel zur Tatzeit nicht zusammen bekommen, brauchen Sie zur MPU nicht anzutreten. Hier dürfen Sie also erst recht nichts beschönigen. Und denken Sie an den Restalkohol. Wenn Sie Gewohnheitstrinker sind, dann waren Sie wahrscheinlich vor Jahren das letzte Mal wirklich nüchtern; denn Sie haben sich abends regelmäßig mehr als ein Promille angetrunken und ganz sicher vor Ablauf von 10 Stunden, die Sie zum Abbau dieses Al­ko­hols gebraucht hätten, wieder einen getrunken. Widersprechen Sie nicht! Sie konnten mit mindestens 1,3 Promille noch autofahren. Das schafft keiner ohne jahrelange "Übung". Wer stets im gesellschafts­üblichen Rahmen trinkt, hat in diesem Zustand schon Mühe, seinen Wagen aufzuschließen.

Machen Sie sich also eingehend Gedanken über Ihre Trinkmenge zur Tatzeit und rechnen Sie sich Ihren Blut­alko­hol­spie­gel in Bier, Schnaps oder Wein um. Es schadet nichts, wenn Sie in der MPU über Restalkohol reden. Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie die Trinkmenge des Tatabends entsprechend erhöhen. Legen Sie sich eine plausible Erklärung dafür zurecht, woher Sie diese Trinkmenge kennen und verrechnen Sie sich bloß nicht, wenn Sie es nicht mehr wissen. Dabei erfüllt der Al­ko­hol­rech­ner ja vielleicht doch noch seinen Zweck.

Es kursiert immer noch das Gerücht, ein Al­ko­holiker erhalte seinen Führer­schein nie mehr wieder. Lassen Sie sich nichts erzählen: ich habe meinen Alkoholismus in der MPU von Anfang an ein­ge­räumt und meinen Führerschein längst wieder. Allerdings habe ich auch darlegen können, was ich dagegen unternommen habe und konnte durch regelmäßige Lebertests im Abstand von sechs Wochen über rund ein Jahr nachweisen, daß ich nicht einen Tropfen mehr trinke. Außerdem glaubt die gesamte Fachwelt, ein Spriti bliebe nur trocken, wenn er in die Al­ko­holiker­grup­pen ginge. Ich bin kurz vor der MPU ein paar Mal hin und habe einfach behauptet, regelmäßig teilzunehmen. Nach einer Bestätigung dafür hat man mich nicht gefragt.

Es scheint weithin unbekannt zu sein, daß sich aus dem Bericht der ärztlichen Untersuchung der Polizei die Trinkgewohnheiten des Ver­kehrs­sünders sowieso entnehmen lassen. Je weniger Trunken­heits­er­scheinungen bei ent­sprechend hohem Blut­alko­hol­spie­gel, desto sicherer hat man einen geübten Trinker vor sich. Und Sie haben sich doch damals auch nach Kräften bemüht, nüchtern zu wirken, nicht wahr? Der Psychologe weiß also auf jeden Fall, was er von Ihnen halten muß, er braucht Sie dazu gar nicht erst zu kennen. Und noch etwas weiß er: gegen das Ein­ge­ständ­nis, zuviel zu trinken, wehrt sich jeder bis zum Äußersten und wird sich bis dahin erfolg­los bemühen, das Trinken zu lassen.

Warum ich mir da so sicher bin?

  • Schon der Genuß geringer Mengen Alkohol löst grundsätzlich bei jedem Menschen das Verlangen nach mehr aus.
  • Da der Trinker den angeborenen Ab­wehr­mechanismus des Körpers gegen die Vergiftung mit der Zeit unempfindlich gemacht hat, kann er diesem Verlangen allerdings viel weiter nachgeben.
  • Würde sich der Trinker nicht durch immer weiter zunehmenden Alkoholkonsum die Gesundheit ruinieren, bliebe ihm diese Trinkfestigkeit sein Leben lang erhalten.
  • Da er seine hohe Alkoholtoleranz auch in noch so langer Abstinenz nicht mehr los wird, ist der Trinker in kürzester Zeit wieder bei seinem gewohnten Alkoholkonsum.

Man könnte es also durchaus auch so sehen, daß sich der Trinker mit dem Versuch, nur noch moderat zu trinken, eine übermenschliche Selbstdisziplin abverlangt. Der Verkehrs­psy­cho­loge kann dann nur noch den Rest der Welt vor Ihnen schützen, bis Sie vernünftig geworden sind, womit Sie übrigens keineswegs in schlechter Gesell­schaft wären: wußten Sie, daß Wyatt Earp und General Custer abstinente Alkoholiker waren?

Zum Abschluß möchte ich Ihnen noch das kleine Buch von Carmen Liebs, "Die Führerscheinfalle", ISBN 3-930057-20-4 aus dem Eisbär-Verlag Berlin empfehlen. Frau Liebs gibt ihre eMail-Adresse mit Liebs.bussinger@t-online.de an. Das Buch kostet Sie deutlich weniger als Ihr letzter Trinkexzeß in der Kneipe.

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