Keplers Planetengesetze II

Die perfekte Kreisbahn

Betrachtet man den Nacht­himmel, so wird man den Eindruck gewinnen, dass die Sterne im Verlaufe einer Nacht einen Kreisbogen beschreiben, beson­ders deutlich zu sehen am Stern­bild des großen Bären. Es ist daher nicht weiter ver­wunderlich, dass seit den ältesten Zeiten angenommen worden ist, auch Sonne, Mond und die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn bewegten sich auf einer exakten Kreis­bahn. Daß die Fixsterne ihre Bahn am Himmel aufgrund der Rotation der Erde be­schreiben, die eben deshalb genau einen Kreis ergibt, während die schein­bare Bahn aller anderen Himmels­körper auf ganz an­deren Um­ständen beruht, ist durchaus nicht einfach ersichtlich.

Der religiöse Einfluß

Man stelle sich Johannes Kepler nicht etwa als den modernen Wis­senschaftler vor, der unvor­ein­ge­nommen Be­ob­ach­tungs­er­geb­nis­se in einen lo­gisch­en Zu­sam­men­hang zu bring­en ver­such­te. Er war dies­be­züg­lich durch­aus ein Kind sein­er Zeit, der selbst noch nach Ent­deck­ung der ersten bei­den Pla­ne­ten­ge­setze seine der Hexer­ei an­ge­kla­gte Mut­ter nicht etwa in der Über­zeu­gung ver­tei­dig­te, es gäbe gar keine Hexen, son­dern ar­gu­men­tier­te viel­mehr da­hin­geh­end, dass je­den­fal­ls seine Mut­ter keine Hexe sei.

Kepler betrachtete die Mathe­ma­tik als ein aus­ge­zeich­ne­tes Mit­­tel, die gott­ge­schaf­fene Ord­nung des Uni­ver­sums zu er­­for­­schen. Diese musste selbst­ver­ständ­lich von größter Ge­ni­alität und Per­fektion zeugen und da­her kamen als Bahn­en der Him­mels­kör­per nur per­fek­te geo­me­tri­sche Fi­guren in Be­tracht. Es mus­ste auch ein­en Grund geben, wes­halb es ge­nau die da­mals be­kannte An­zahl der Pl­ane­ten gab und na­tür­lich kon­nten auch die Ab­stände der Pla­ne­ten un­ter­ein­an­der nicht zu­fäl­lig ge­wählt sein. Diese mus­sten sich viel­mehr aus der Ver­schach­tel­ung der fünf re­gel­­mä­ßig­en Poly­eder, den pla­to­nisch­en Kör­pern, er­ge­ben.

Es drängt sich der Ein­druck auf, dass er sich das Uni­ver­sum als ed­les Stück ein­es Uhr­mach­er­mei­sters vor­stel­lte und nun neu­gierig ver­such­te, das Zu­sam­men­spiel des vor sein­en Au­gen lauf­end­en Uhr­werks zu ver­stehen.

Sonnensystem

Keplers Modell vom Sonnensystem nach seinem Werk "Mysterium cosmographicum"

Kepler war ursprünglich überzeugt davon, dass der Kosmos als Gottes Werk strikt geometrisch ist. Nach diesem Modell verliefen die Planeten­bahnen auf dem Äquator von Kugeln,in die jeweils ein anderer platonischer Körper einbeschrieben sein sollte, in diesen wiederum die Kugel des nächstinneren Planeten usw. Die Abfolge der Körper und Planeten ist

*Saturn - Kubus

*Jupiter - Tetraeder

*Mars - Dodekaeder

*Erde - Ikosaeder

*Venus - Oktaeder

*Merkur

Damit erklärte Kepler auch die "heilige" Anzahl sechs der damals bekannten Planeten.

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